Tinnitus wird über das Ohr wahrgenommen und das bietet unzählige Möglichkeiten von Tönen, Frequenzen und weiteren Symptomen. Auch Hörsturz ist ein muskuläres Symptom durch Anspannung. Da aus Sicht der Daub-Methode Tinnitus ein Verspannungsproblem ist, wird hier auch nicht von Krankheit und Heilung gesprochen. Es ist ja nichts kaputt, das wieder heil werden muss.
Die Verspannungsmuster sind Schuld am Tinnitus und müssen gelöst werden. Mein eigenes Erleben hat mich davon überzeugt. Zwischenzeitlich wurden nicht nur die Übungen und Techniken immer mehr verfeinert und erweitert, auch meine persönlichen Erfahrungen mit Tinnitus konnte ich erweitern und vertiefen. Heute kann ich auf Anhieb verschiedene Tinnitustöne erzeugen. Die halten zwar nicht lange an, aber ein Hineinfühlen in Betroffene gelingt viel besser. Oftmals bin ich auch in der Lage Verspannungsmuster nachzuahmen.
Endlich hatte ich Tinnitus
Viele sind schockiert, wenn Sie zum ersten Mal ein Ohrgeräusch wahrnehmen. Meistens verschwindet es auch sofort wieder. Bei mir war das anders. Ich wollte unbedingt einen Tinnitus erzeugen, erleben um ihn dann wieder zu lösen. Meine Theorie, die bisher nur in meinem Kopf vorhanden war wollte ich bestätigt wissen. Was nützt eine Theorie ohne Praxis? Was nützen die tollsten Thesen, solange man sie nicht selbst nachvollziehen und erleben kann.
Somit war es mein Anliegen ein Ohrgeräusch künstlich, durch Verspannungen, zu erzeugen. Das ist mir gelungen und ich war sehr froh darüber. Endlich wusste ich, wie sich Tinnitus anhört oder anfühlt. Nicht nur vorübergehend, sondern konstant. Ich schaffte einen Tinnitus, nur links und nicht im Ohr. Zunächst nahm ich ein Rauschen über dem linken Ohr wahr. Mal war es weiter weg und mal links hinten, außerhalb des Kopfes. Es ist schwer zu erklären. Selbst der Ton oder die Töne selbst sind schwer mit irgendetwas zu vergleichen. Irgendwann kam ein Pfeifton dazu. Ein Fiepen oder Zirpen, ähnlich einer Grille, aber doch nicht ganz. Kurzfristig hatte ich sogar eine Hyperakusis, die allerdings nur wenige Minuten anhielt. Es war wie ein Verstärker im Ohr. Der Begriff "man hört das Gras wachsen", nimmt hier eine ganz andere Dimension an. Ich hörte Alles lauter, viel lauter. Ich stand dabei gerade auf dem Flur in meiner Wohnung und draußen im Treppenhaus unterhielten sich ein paar Leute. Diese Geräusche kenne ich normalerweise. Mit dieser Hyperakusis war es aber so, als ob sie direkt neben mir stünden. Es war unheimlich laut und auch die Geräusche in der Wohnung waren laut, wie das Rascheln des Papiers, Schritte, Räuspern, Sprechen, Geschirrklappern, einfach Alles. Nach einigen Minuten war dieser Zustand wieder weg.
So etwas zum ersten Mal zu erleben ist einfach phantastisch. Ich kam mir vor wie ein Forscher, der eine Theorie hat und diese durch die Praxis bestätigt findet. Wo andere Panik bekommen war ich erleichtert. Endlich hatte ich es geschafft, endlich war der ersehnte Tinnitus da und meine Theorie stimmte also doch. Genau das war es, was ich wollte. Man kann vieles mit theoretischen Überlegungen erklären und vielleicht stimmt es auch. Doch bei Tinnitus ist ein Erlebnis einfach etwas anderes.
Auch die Hyperakusis war ein Erlebnis. So als hätte man einen Verstärker im Ohr. Beim Telefonieren ist das häufig der Fall. Man nimmt Geräusche am Telefon des Gegenübers viel intensiver und lauter wahr als derjenige, bei dem die Geräusche auftreten. Ein Vogelgezwitscher kann durch einen Telefonhörer sehr laut klingen.
Dieser künstlich erzeugte Tinnitus war genauso wie jeder andere "normal" entstandene Tinnitus auch. Er wechselte ständig und auch die Wahrnehmung änderte sich. Er war außerhalb des Kopfes. Die Töne oder besser ausgedrückt Geräusche wechselten ständig. Es war ein Rauschen gemischt mit einem Pfeifen oder so was Ähnlichem oder ein lautes Rauschen einer Muschel. Diese Geräuschkulisse war dauernd da auch wenn ich redetet. (Ich redete laut vor mich hin um es zu testen) Einfach genial, ich war überwältigt.
So schön auch das Erlebte war, ich wollte diesen Tinnitus nicht ewig aufrecht erhalten. Nach ein paar Tagen sollte Schluss damit sein, denn Verspannungen künstlich zu erzeugen erfordert dieselbe Konzentration wie sie wieder zu lösen. Ich musste mich die ganze Zeit auf meine Verspannungsmuster konzentrieren und versuchte sie zu behalten. Das war nicht gerade einfach und eher unangenehm. So erlebte ich noch intensiver, welcher unnötigen Dinge Menschen machen, die solche Verspannungen jahrelang haben. Ein Graus, wenn man bedenkt wieviele weitere Symptome und körperlichen Begleiterscheinungen muskuläre Anspannungen bewirken können. Solange ich diese Ohrgeräusche hatte, solange konzentrierte ich mich genau auf diese Töne. Das machen Betroffene auch, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht den Weg aus diesen Ohrgeräuschen kennen und sie schnell wieder loswerden wollen. Ich war sehr froh endlich einen Tinnitus zu haben.
Jetzt löse ich meinen Tinnitus wieder
Es galt nun die künstlich erzeugten Verspannungen zu lösen. Dann müsste der Tinnitus wieder verschwinden. Mal sehn, ob es stimmt und auch klappt. Genauso war es. Die Nacht war die beste Zeit zum Austesten. Alles war leise, es gab keine störenden Außengeräusche und den Tinnitus nahm ich so viel besser wahr. Doch es geschah etwas Unvorhergesehenes, das ich nicht kannte. Ich lag so im Bett und übte wieder die Lockerheit. Dabei hörte ich auf den Ton und hörte und hörte und hörte. Es dauerte vielleicht insgesamt eine halbe Stunde und der Tinnitus war fast nicht mehr zu hören. Nur ein winzig kleiner Rauschton, wie das entfernte Summen einer Autobahn oder einer Muschel waren noch zu hören. Was war denn das? Der Tinnitus müsste doch jetzt weg sein. Ich verspürte ein leichtes Panikgefühl. Es tat sich nichts mehr, der Ton blieb. Alles Üben brachte nichts. Sollte meine Theorie doch nicht stimmen? Das konnte nicht sein, denn es hatte bisher Alles genauso funktioniert wie ich es gedacht hatte. Doch was war das für ein Ton? Ich weiß nicht, wie lange ich gelagen und dieses und jenes ausprobiert hatte. Dieser letzte Ton der blieb. Damit wollte und konnte ich mich nicht abfinden.
So stand ich auf und der Ton war weg. Ich legte mich ins Bett und der Ton war weg. Was war das? Ich hörte hin und hörte hin und siehe da, der ganz kleine, klitzekleine Rauschton war wieder da. Es war aber so leise, dass man ihn kaum wahrnahm. Ich hörte von ihm weg und er war verschwunden. Jetzt erst war mir klar, was das war. In dieser kurzen Zeit hatte ich mein Gehör so fokussiert, dass ich Alles wahrnahm auch Geräusche die man sonst nicht hört. Das, was ich für einen Tinnitus hielt, war das Eigengeräusch des Körpers. Dieser "Ton" ist immer da, aber niemand hört ihn. Ich stand noch einmal auf und legte mich wieder hin und konnte mich dann auf dieses Geräusch nicht mehr konzentrieren. Es war so, als ob die Erinnerung daran, die kurz vorher noch vorhanden war, auch verschwunden war. Jetzt nahm ich keinen Ton mehr wahr, konnte ihn auch nicht aus der Erinnerung erzeugen. Es ging nicht. Der Ton war weg. Das Eigengeräusch der Körpers konnte ich nicht mehr finden. Egal. Meine Theorie stimmte und das war mir wichtig. Jetzt konnte ich anderen helfen und jetzt wusste ich ganz genau, dass ich recht hatte. Die Ursache von Tinnitus sind Verspannungen.
Letzte Aktualisierung: 06.03.2012 - 23:31 - vor 77 Tagen.