Frau Gauger hatte ein Pfeifen im Ohr, was sie sehr störte und ihre Lebensqualität eindämmte. Sie ist sehr belesen, interessiert und Neuem gegenüber nicht nur aufgeschlossen, sondern hochmotiviert. Sie will nicht nur Wissen ansammeln, sondern dieses auch praktisch anwenden. Nachdem Sie Vieles gegen ihren Tinnitus ausprobiert und nichts gefruchtet hatte, wollte Sie auch ein Training gegen Ihren Tinnitus antreten. Doch Tinnitus war nur eines von ihren vielen Verspannungsmustern. Jeder Mensch ist anders und sie wusste bis dahin nicht, dass sie extrem verspannt ist. Doch das ist für Frau Gauger ein Motivationsschub.
So wurde ein Problem nach dem anderen angegangen. Ihr hohes Pfeifen brachte sie relativ schnell in den Griff, was eine enorme Erleichterung bedeutete. Das letzte Quäntchen hielt sich hartnäckig. Was anfangs schwer fiel, wurde immer besser und zwar die bewusste Feststellung ihrer Verspannungen. Das ist nicht einfach und jeder braucht dafür mehr oder weniger lange.
Frau Gauger merkte immer mehr wie verspannt sie immer noch war und wie ihr noch inzwischen leiser gewordener Tinnitus auf Verschiedenes reagierte. Manchmal war er ganz weg, dann kam er wieder, dann spürte sie wie sich langsam ein Druck aufbaute und den Tinnitus verstärkte. Es war wie verhext, doch die Ohren zum Schweigen zu bringen muss jeder selbst. Zwischenzeitlich bemerkte Sie, wie ihr Tinnitus lauter wurde, wenn sie längere Zeit redete. Auch das tritt bei anderen auf.
Seine Verspannungen in den Griff zu bekommen ist richtige Arbeit. Wer seinen Tinnitus dauerhaft bekämpfen will, darf nicht denken, dass er es geschafft hat, wenn er mal weg ist. Das kann anhalten, kann dauerhaft, oder auch nur vorübergehend sein. Das Tinnitus-Muster ist ein Leben lang verankert und man kann nur lernen es zu kontrollieren. Dem einen gelingt dies ganz, einem anderen fast ganz und ein anderer muss ständig dagegen kämpfen. Es ist wie mit einer Sprache lernen. Je früher man kommt, desto besser bekommt man es in den Griff. Je länger der Tinnitus besteht und je stärker die Verspannungsmuster sind, desto schwieriger ist es.
Frau Gauger konnte dies auch am eigenen Leib feststellen. Sie schaffte es manches Mal ihren Tinnitus ganz zu beheben und dann kam er wieder. Insgesamt wurde er immer leiser, doch manches Mal war er noch da. Es gibt bei Tinnitus keinen Trick und die üblichen Meinungen und Behauptungen taugen nicht viel, sie sind schlichtweg falsch. Wie kann es auch anders sein. Der eine schafft es in kurzer Zeit, den Tinnitus komplett zu beseitigen, ein anderer braucht lange oder schafft es nie ganz. Verspannungen sind hartnäckig, da sie seit der Kindheit aufgebaut wurden.
Menschen glauben immer Alles im Griff zu haben und zu beherrschen. Wer Tinnitus hat, der hat keine Beherrschung über den Körper, sondern der Körper beherrscht ihn. Das merkt man erst, sobald man ihn einmal von seiner wirklichen Seite kennenlernt und feststellt, wie ehrlich diese Körperreaktionen sich äußern. Wer jemanden nicht mag und so tut als hätte er sich im Griff, dessen Körper spricht eine andere Sprache: er reagiert.
Heute hat sich bei Frau Gauger viel geändert. Ihr Tinnitus ist fast weg, manchmal rauscht er, manchmal ist er ganz verschwunden und manchmal spürt sie wie sich Muskeln einfach verkrampfen und einen Druck bis ins Ohr aufbauen. Soweit muss man aber erst einmal kommen. Sie weiß aber, dass dieses Muster nie weg sind und sie nicht nachlässig sein darf. Sie muss sich immer wieder kontrollieren und beobachten. Sie ist nun mal von Jugend an sehr verspannt. Zwischenzeitlich sind ihre Beine wichtig, nachdem Sie durch das Training erfahren hat, dass auch hier Verspannungen eine große Rolle bei ihr spielen.
Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:23 - vor 163 Tagen.