Ich will endlich das Gepfeife im Ohr loswerden

Sarah L. war, wie viele mit Tinnitus, zerknirscht, verunsichert und extrem verzweifelt. "Ich will nur dieses Gepfeife im Ohr loswerden." Sie saß vor mir, wie ein Häufchen Elend, denn ihr Tinnitus war laut und es gab keine Hilfe, dass es besser werden würde.

Eine Woche vor Ihrem Urlaub pfeifte es morgens nach dem Aufwachen im Ohr. Der Hausarzt gab ihr etwas für die Durchblutung und dann ging es ab in den Urlaub. Dort wurde es nicht besser, eher schlimmer, zudem hatten die Tabletten enorme Nebenwirkungen, wie Müdigkeit und Übelkeit. Doch was soll man machen? Zu Hause angekommen war es nicht besser, der Hausarzt verabreichte Infusionen. Er kannte ihre Krankengeschichte und wusste, dass sie seit 2 Jahren extreme Schlafstörungen hatte und Stress im Job. Was liegt näher als Alles darauf zu schieben. Sie wurde krank geschrieben, Monate lang.

Eine Antwort nach der Frage, was es gegen Tinnitus gibt, bekam sie nie eine Antwort. Sie solle sich beruhigen, "runterkommen", in Psychotherapie gehen, den Beruf wechseln, denn ihr Körper würde sich immer wieder melden. Sie hätte Burnout und wäre ausgebrannt, ihre Schlafstörungen, der Tinnitus, ihre Stimmungsschwankungen, der starke Berufsstress und keine Erholungsphasen sprächen dafür. Ja, sie arbeitete täglich bis 20 Uhr und ging, falls sie etwas vergessen hatte, noch nachts in die Arbeit. Doch sie empfand es nicht als Stress.

Sie hatte einen Ausgleich, ihr Garten, in den sie so oft wie möglich ging. War das kein Ausgleich? Aus Sicht des Arzte nicht. Wer bestimmt was Ausgleich ist? Die anderen? Solche Aussagen nervten extrem, aber sie wusste ja nicht, ob es stimmte.

Diese Aussagen brannte sich wie ein Feuer in ihr Hirn ein. Sie war schon so weit, ihren geliebten Beruf an den Nagel zu hänge und umzuschulen und das mit 27 Jahren. Sie wollte Hilfe, ging zu einer Neurologin, die sie untersuchte und nach ihrer Tinnitus-Frage keine Antwort gab, sondern ihr "etwas zum beruhigen" verschrieb. Sie holte die Tabletten nie ab, es waren Psychopharmaka. Der Frust stieg und sie hatte kein Selbstbewusstsein mehr. Niemand in ihrem Bekanntenkreis stellte die Aussage des Arztes "Sie müssen den Job wechseln" in frage. Warum auch, als Arzt muss man es ja wissen! Sie suchte schon im Arbeitsamt nach etwas, das ihr Spaß machen könnte, fand aber nichts. Ihr Zutrauen schmolz und sie traute sich nicht einmal zu irgendwelche Handlangertätigkeiten zu machen.

Sie kam sich unmündig vor, behandelt wie ein Kleinkind, das dumm ist und auf Fragen keine Antwort bekam. Sie hatte nur eine einzige Frage. "Wie bekomme ich meinen Tinnitus weg?" Sie erhielt nie eine Antwort, sondern ihr wurde immer nur gesagt, sie solle sich beruhigen.

Irgendwann ging sie zu einer Psychologin, aus der sie auch fertig zurückkam und nie mehr dorthin ging. Zufällig fand sie im Internet die Daub-Methode und fand sich zum ersten Mal verstanden. Mit Erstaunen stellt sie fest, dass es um die Ecke lag. Eine Woche vor Ihrer Wiedereingliederungsmaßnahme in den Job kam sie zum Training.

Trotz Ihres desolaten Zustands riss sie sich zusammen und bereits in wenigen Wochen konnte sie ihren Tinnitus selbst steuern. In der Anfangsphase nach dem Training wurde er mal extrem laut, was sie aber selbst hinbekam. Nach weiteren Wochen war der Tinnitus komplett verschwunden und ihre Stimmungsschwankungen konnte sie auch bewusst selbst steuern und machte das auch, rein aus persönlichen Testzwecken.

Nach 2 Monaten Training ging sie in Stuttgart auf Volksfest in eine Bierzelt mit lauter Musik. Sie rief mich vorher aber an und ich sagte ihr, dass sie keine Angst haben müsste, sich nur immer kontrollieren müsste, dann würde nichts passieren. Genau so war es. Sie bekam ihr altes Selbstbewusstsein wieder zurück und ihre Stimmungsschwankungen sind komplett verschwunden. Sie kann sie aber jederzeit wieder "herbeizaubern". Es geht ihr besser denn je und Tinnitus? Was ist Tinnitus? Den gibt es bei ihr gar nicht mehr und selbst, wenn er eines Tages mal wieder kurz kommen würde, wüsste sie genau, was sie zu machen hat.


Frau L. hat es geschafft und sie ist auch gerne bereit mit anderen zu sprechen, die unsicher sind. Allerdings ist ihre Zeit stark begrenzt, denn sie ist beruflich befördert worden und hat nun noch weniger Zeit. Ihren Namen will sie wegen Belästigungen nicht nennen, da sie im öffentlichen Leben steht. Der Arbeits-Stress ist positiv, was eher nervt sind die ungläubigen Blicke der anderen, die nach wie vor über ihre Wehwehchen klagen und ihr nicht glauben, dass nur Verspannungen solche Auswirkungen haben können. Aber wer nicht will, der hat schon gehabt.

Sie hat genug erlebt und hinter sich und benötigt zwischenzeitlich keinen Arzt mehr. Als Nebeneffekt sind ihre starken Menstruationsbeschwerden sofort verschwunden, sowie ihre Stimmungsschwankungen und Schulterschmerzen behoben. Der blinde Glaube an Ärzte ist zwischenzeitlich verschwunden, denn der Körper ist der beste Arzt, allerdings muss man wissen welches Symptom welche Ursache hat. Doch da hat sie zwischenzeitlich viel gelernt und benötigt keine Tabletten mehr. Frau L. ist Bio! Sind Sie Bio?

Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:23 - vor 163 Tagen.
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