Niemand spricht gerne über seine gesundheitlichen Sorgen und Probleme, vor allem dann nicht, wenn sie nicht öffentlich werden sollen. Die meisten Menschen reagieren bei Beschwerden, von denen hier die Rede ist, oft auch sich selbst gegenüber mit Ignoranz und Duldungsverhalten wegen Altersbedingtheit. So war es auch bei Frau Inge K. Sie hatte eine starke Tagesmüdigkeit, die es ihr tagsüber oft schwer machte sich wach zu halten. "Man ist ja nicht mehr die Jüngste", so beruhigte sie sich selbst. Ein Kurzurlaub mit einer Freundin brachte mehr Licht ins Dunkel. Die Freundin, die im gemeinsamen Doppelzimmer nachts mehrmals wach wurde, stellte bei Frau K. häufige Atemstillstände im Schlaf fest. Besorgt teilte sie ihr dies mit. War das der Grund ihrer Müdigkeit? Ein Gang zum Facharzt für Schlafmedizin brachte die Erkenntnis - Schlafapnoesyndrom. In einem Schlaflabor konnte man den Symptomen besser auf den Grund gehen, und so überwies sie ihr Hausarzt dorthin.
Eine Nacht im Schlaflabor mit umfangreicher Verkabelung und Überwachung brachte Gewissheit. Frau K. sollte jetzt jede Nacht ein Atemtherapiegerät kurz Schlafmaske genannt, benutzen, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten war. Nicht gerade freudestrahlend kam sie mit dem Gerät und der damit nächtlich zu tragenden Atemmaske nach Hause. Vielleicht war jetzt diese Tagesmüdigkeit verschwunden? Die Hoffnung war groß, erfüllte sich anfangs, wich aber doch nach etwa einem Jahr einer Ernüchterung. Die Zahl der Sauerstoffentsättigungen war zwar weiterhin niedriger als vor Beginn der Therapie, aber die Tagesmüdigkeit war plötzlich wieder da. Die Besserung der Schläfrigkeit hatte trotz regelmäßig angewandter Therapie nicht lange angehalten.
Es gab nur die Gewissheit, nachts keine gefährlichen Atemaussetzer mehr zu haben. Das Schlafapnoesyndrom wurde bei Frau K. 2003 im Schlaflabor mit 116 nächtlichen Sauerstoffentsättigungen diagnostiziert und sie wurde so therapiert, dass diese auf 14 reduziert werden konnten. Im Jahr 2004 wurde bei ihr zusätzlich eine koronare Herzkrankheit festgestellt, worauf auch ihre Depressionen resultieren sollten. Sie war danach erneut zur Kontrolle im Schlaflabor und die richtige Therapieeinstellung wurde bestätigt. Jedoch, bei der Überprüfung ihrer Tagesschläfrigkeit erzielte sie 13 Punkte auf der Epworth-Schläfrigkeitsskala (ESS), wodurch die Wahrscheinlichkeit tagsüber einzunicken, deutlich erhöht ist.
Ein Jahr später
Nachdem die wieder aufgetretene Tagesmüdigkeit weiterhin nicht nachließ, musste Frau K. wieder zum Lungenfacharzt. Eine dort durchgeführte Polygraphie bestätigte zwar die richtige Therapieeinstellung, aber die Befragung durch den Arzt sowie das Ausfüllen der ESS ergab nach wie vor ein so ungünstiges Resultat, dass er dem Hausarzt empfahl, innerhalb von längstens 24 Monaten eine erneute Polysomnographie im Schlaflabor durchführen zu lassen. Dort ergab sich dann im April 2007, was die Therapieeinstellung betraf, eine unverändert gute Situation. Die häusliche Nutzung des Atemtherapiegerätes wurde danach von Frau K. mit erträglichem Erfolg, aber, was die Tagesmüdigkeit betraf, nicht voll zufrieden stellend, fortgesetzt.
Zum Austausch mit Gleichgesinnten und auch um etwas Halt zu bekommen, ging Frau K. in eine Schlafapnoe-Selbsthilfegruppe, in der sich regelmäßig ca. 30 Personen treffen. Der Leiter dieser Gruppe wies im Herbst 2008 seine Mitglieder auf eine Email hin, in der auf eine "Daub-Methode" aufmerksam gemacht wurde, über die in der Fernsehsendung "Spiegel-TV" bei VOX berichtet worden war, die von Schnarchen und Schlafapnoe handelte. Darin wurde informiert, dass die Daub-Methode die Möglichkeit böte, mittels eines Muskel- und Atemtrainings selbst etwas gegen das Schnarchen und damit auch die Schlafapnoe zu tun. Die Informationen in Selbsthilfegruppen basieren hauptsächlich auf den von der Schulmedizin gebotenen Behandlungsmaßnahmen der Schlafapnoe. "Das Schlafapnoesyndrom kann nur mittels der CPAP-Therapie behoben werden", so die weit verbreitete Meinung in Medizinerkreisen. Allerdings ist die Ursache der Schlafapnoe damit oft nicht gelöst, sondern das Atemtherapiegerät macht nur die Atemwege frei, um den Luftstrom wieder fließen zu lassen. Dies ist mit einer Gehhilfe vergleichbar, die das wirkliche Problem nicht lösen kann.
Viele Mitglieder der Selbsthilfegruppe lächelten über die Daub-Methode. "Wie kann ein Training Schlafapnoe beheben?" Frau K. dachte anders. Sie wollte den Versuch eines solchen Trainings wagen. "Warum soll man nicht etwas Neues ausprobieren? Das Training funktioniert ohne Hilfsmittel, ist somit nicht schädlich und man kann selbst etwas tun", so dachte Frau K. Sie meldete sich zu einem Trainingskurs an. Am 17. Januar 2009 kam sie zur ersten Trainingseinheit von dreien, die mit Zwischenpausen von jeweils drei Wochen stattfinden und erfuhr hier, wie man versuchen kann, Schnarchen und Schlafapnoe durch Muskel- und Atemübungen zu beheben. Mit anderen Teilnehmern lernte sie, mittels dieser technischen Übungen und Kniffe wieder zu einem muskulären Zustand zurück zu finden, der vor langer Zeit einmal vorhanden war. Dieser Zustand wird erlebt durch sehen, fühlen und ausprobieren. In einer kleinen Gruppe konnten die Teilnehmer auch an Frau Daub wahrnehmen, wie es aussehen und sich anfühlen sollte. Ein Vorgang, der nicht über Medien vermittelt werden kann.
Die ungewöhnlichen Übungen waren anfangs nicht einfach. Nach der zweiten Trainingseinheit kam Frau K. bereits gut mit den Übungen zurecht. Jetzt lag es an ihr zu testen, ob das Training eine Wirkung beim Schlaf zeigte. Diese Verantwortung kann nur jeder Teilnehmer selbst tragen und Frau K. stellte sich ihr. Sie bat ihren Mann ihr dabei zu helfen. Nach jahrelangem Tragen der Atemmaske hat sich der Körper daran gewöhnt und benötigt einige Tage oder Wochen für die Umstellung. Bei Frau K. ging dies trotzdem relativ schnell. Ohne ihre Maske hatte sie nicht mehr Tagesmüdigkeit als bisher. Sie kam inzwischen mit den erlernten Übungen gut zurecht. Nach der letzten Trainingseinheit am 28.02.2009 wollte sie noch einige Zeit weiter üben und sich dann einem ärztlichen Test unterziehen. Hatte sich ihre Schlafapnoe gebessert oder nicht? Im Juli 2009 machte sie ein Testscreening. Hierbei erhielt sie vom Arzt ein mobiles Testgerät mit nach Hause, das ihre Atemaussetzer aufzeichnete. Es ergab sich, dass sie stündlich 5 Atemaussetzer von wenigen Sekunden hatte, was ein sehr moderater Wert ist. Der Richtwert, bei dem eine Schlafapnoe normalerweise unbehandelt bleiben kann, liegt bei 10 Atemaussetzern in der Stunde von je max. 10 Sekunden Dauer.
Frau K. wollte nichts überstürzen. Im Oktober 2009 unterzog sie sich einem weiteren Test. Hierbei wurden stündlich nur noch 3 Atemstillstände festgestellt. Das war hervorragend. Erst ab 6:00 Uhr morgens erhöhten sich ihre Aussetzer, die hauptsächlich in der Rückenlage auftraten, und Frau K. begegnete diesem kleinen Problem, indem sie einen kleinen Gegenstand, z.B. einen Tennisball, in den Rückenbereich des Schlafanzugs einnähte, um die Rückenlage zu verhindern. Obwohl dies bei Frau K. funktionierte, kann es Fälle geben, in denen Betroffene nicht damit zurecht kommen. Im November 2009 wurde Frau K. schlussendlich von ihrem Arzt bescheinigt, dass ihr Schlafapnoesyndrom behoben sei und sie ihr Atemtherapiegerät der Krankenkasse zurückgeben kann. Um die doch noch bestehende Tagesmüdigkeit ganz zu beseitigen, wird sie weiterhin ihre Muskel- und Atemübungen durchführen, denn auch hierbei erhofft sie sich größeren Erfolg, genauso wie für ihren teilweise stark schwankenden Blutdruck. Doch zwei für sie persönlich wichtige Probleme hat Frau K. selbst behoben. Das eine ist ihr Schlafapnoesyndrom und das andere, die als unangenehm empfundene Atemmaske. Wer zu sich selbst ehrlich ist, muss zugeben, dass so ein Hilfsmittel zwar hilfreich aber bestimmt nicht angenehm ist.
Die Entwicklerin der Daub-Methode, Frau Daub, hat die Erfahrung gemacht, dass Frau K. kein Einzelfall ist. Viele Menschen sind trotz Atemmaske tagsüber müde. Sie haben zwar nachts keine Atemstillstände mehr, doch die Dauermüdigkeit und Antriebslosigkeit ist unverändert. Das Problem liegt in den Gewohnheiten des Einzelnen. Jahrelange Muskelanspannungen führen dazu, immer unkonzentrierter und angespannter zu werden, denn Muskelanspannungen machen müde, sehr müde. Auf der einen Seite möchte man den Alltag gut bewältigen, auf der anderen Seite möchte man ganz normal wirken und anderen nicht zur Last fallen. Für Betroffene ist es deshalb wichtig, die unterschiedlichen Zusammenhänge dieser eigenen Gewohnheiten an sich selbst festzustellen und sich bewusst zu machen. Dann heißt es üben, üben, üben. Wie lange es dauert, bis sich Besserung einstellt, kann niemand im Voraus sagen, denn es spielen Faktoren wie die eigene Körperwahrnehmung und das regelmäßige Üben eine Rolle. Darüber hinaus fällt ins Gewicht, wie gut die Übungen ausgeführt werden und wie gut sie in den Alltag integriert werden können. So kann es mehrere Monate oder sogar Jahre dauern, bis man Erfolg damit hat. Der Schnitt liegt bei 3 - 6 Monaten. Verbesserungen stellen sich meist schon nach wenigen Wochen ein. Das Training führt, so weit es geht, zurück zu einem Zustand, den jeder Mensch besitzt aber durch eigene und unbemerkte Muskelanspannungen verloren hat.
Bei Frau Daub kann jeder die Natürlichkeit der Muskeln sehen und aktiv erleben. Die meisten Teilnehmer erkennen so recht erschreckend, wie weit sie sich von der Natürlichkeit entfernt haben. Das ist kein Prozeß des Alterns, sondern ein Prozeß der eigenen Anspannungen. Eine leider falsch verbreitete Meinung ist die, dass Entspannungstechniken diese Anspannungen lösen. Ein Spruch der durch dieses Training immer mehr an Bedeutung gewinnt ist der, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnt. Diese Gewissheit gewinnt man aber nur durch die Praxis, nicht durch die Theorie.
Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:23 - vor 163 Tagen.