Frau Denise E. konnte ihren Rundrücken völlig weg trainieren. Heute weist nichts mehr auf die einstmalige Deformation hin. Ihr Leidensweg begann schon in der Pubertät, wie bei vielen Mädchen mit einem langsam sich entwickelnden Rundrücken. Es begann bei Frau E. mit drückenden Kopfschmerzen schon in der Schulzeit, keine Seltenheit bei einem Rundrücken. Immer wieder renkten sich ihre Wirbel aus. Sie kann sich an ein Ereignis noch genau erinnern. Sie stand vor dem Schulbus und wollte Ihren Schulranzen aufsetzen, wobei sie sich irgendwie streckte. Plötzlich bemerkte sie, wie sich im Rücken etwas veränderte. Ihre Wirbel hatten sich so verrenkt, dass sie fast nicht mehr Atmen konnte. Es brauchte einige Zeit und eine chiropraktische Behandlung, bis sie sich wieder bewegen konnte. Nicht so heftig aber dafür umso häufiger renkten sich die Wirbel aus und mussten wieder eingerenkt werden. Das war alle paar Jahre der Fall.
Morbus Scheuermann, Einrenken, Skoliose
Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Symptome hinzu. Besonders der Rundrücken meldete sich häufig. Schmerzen in der Brustwirbelsäule traten häufig auf, seltener in der Lendenwirbelsäule. Die Brustwirbel haben sich häufig verschoben und mussten ständig eingerenkt werden. Zudem hatte sie in der Brustwirbelsäule noch eine Skoliose, die nach rechts abdriftete.
So wurde ihr die Scheuermannsche Krankheit, Morbus Scheuermann, diagnostiziert. Doch Frau E. lässt sich nichts vormachen und glaubt nicht bedingungslos irgendwelchen Diagnosen, die lediglich aus zusammengereimten Erklärungen bestehen und davon ausgehen, dass es sich ja um eine Krankheit handelt. Doch was will man tun, wenn niemand Rat und Hilfe weiß?
Iliosakralgelenk, Halsschmerzen, trockene Augen
Immer wieder spürte sie eine Art Lahmheit in den Beinen und ein Ziehen über den Po, wie es bei Ischiasproblemen vorkommt. Der Ischiasnerv zieht genau in der Mitte des Pos entlang. Doch meist ist der Ischias nicht betroffen, denn nicht immer dort wo der Schmerz sitzt, sitzt auch die Ursache.
Hinzu kam ein ständig ausgerenktes Iliosakralgelenk. Sie spürte regelrecht wie es sich ausrenkte und sich eine Art "Knubbel" bemerkbar machte, der sonst nicht da war. Das musste hin und wieder eingerenkt werden.
Immer wieder traten Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden auf. Sie fühlte regelrecht einen Druck auf der Luftröhre, zum Teil wie abgeschnürt, "als ob einem jemand den ganzen Tag direkt über dem Brustbein mit dem Finger rein drückt". In dieser Phase entstand auch ein beginnender Räusperzwang, den sie aber noch unterdrücken konnte. Teilweise hörte sich das Sprechen verschleimt an. Niemand wusste woher das kam.
Frau E. hatte häufig trockene Augen. Sie vermutete, dass das lange und intensive Arbeiten während des Studiums dafür verantwortlich waren. Doch auch nach dem Studium wurde es nicht besser. Nicht der Monitor war schuld daran.
Absolute Erschöpfung und Schlappheit
Immer mehr stellte sie eine absolute Schlappheit und Erschöpfung fest. Für das Studium arbeitete sie häufig und oft bis 16 Std. täglich, meist 7 Tage die Woche und vermutete dahinter die Ursache. Doch nach dem Studium wurde es nicht besser. Ihren Job konnte sie über die Woche einigermaßen gut erledigen, dafür war sie am Samstag platt. Sie war so fertig, dass sie nur auf dem Sofa lag und ihre Ruhe haben wollte. Auch am Sonntag wirkte sich dieser Erschöpfungszustand weiter aus. Sobald sie was unternahm war sie danach völlig fertig. Das konnte doch nicht normal sein? Auch morgens wachte sie völlig verkrampft auf. Sie war noch so jung und bestimmt nicht überarbeitet. Fragen, die einen zwar beschäftigen, aber eine Antwort war nicht in Sicht.
Sicher hatte Frau E. auch manches versucht. Schon das ständige Einrenken nervte sie und brachte bald keine Verbesserungen mehr. Sollte man sich das ganze Leben einrenken lassen? Sie ging zur Physiotherapie, zog am Terraband und versuchte sich auch im Rahmen dessen, wenige Male im Fitnesscenter an den Geräten. "Ich würde nie freiwillig in ein Fitnesscenter gehen." All das tat ihr nicht gut bzw. brachte nichts und so ließ sie es bleiben.
Ohrprobleme, Tinnitus mit 40 dB
Schon als kleines Kind hatte Frau E. häufig, ca. 5 bis 6 mal Mittelohrentzündungen. Als Erwachsene spürte sie immer häufiger einen Druck im Ohr bis hin zum Trommelfell. Das Ohr und die umliegenden Hautpartien fühlten sich taub an.
Durch die über die Jahre weiter fortlaufenden Verspannungen und Fehlhaltungen verkrampfte sie immer mehr. Als weiteres Symptom kamen Schwindel und ein Hörsturz hinzu, immer wieder gefolgt von kleinen Hörstürzen.
Natürlich nahm sie die, aus heutiger Sicht, medizinische Folter wahr. Nach 9 Tagen unnötiger Infusionen und Unmengen an Kortison wurde sie mit den warmen Worten entlassen: "Entweder Sie kommen nach 6 Wochen wieder und der Hörsturz ist weg oder es bleibt halt so!" Im Alter von 25 Jahren hört man das natürlich nicht gerne. Mal abgesehen davon, dass sie mit Hörsturz und Schwindel kam und mit Hörsturz und Tinnitus wieder ging. Ihr Tinnitus meldete sich nämlich 5 Tage nach dem Hörsturz mit heftigem Pfeifen, Rauschen, mit wechselnden Tönen. Mal war es ein Pfeifen, dann ein Gluckern, dann ein Geräusch wie bei einer Kreissäge und auch mal ein tiefer Ton oder mehrere Töne gleichzeitig. Wenigstens war der Schwindel danach fast weg und kam selten und nur ganz schwach wieder.
Der nächste HNO-Arzt meinte nach 5 Tagen Leben mit Tinnitus: "Den bekommen Sie eh nicht mehr weg!" Sehr erfolgversprechend und aufbauend solche Aussagen und vor Allem so unterschiedliche Ansichten. Frau E. versuchte es mit Akupunktur und bekam davon nur blaue Flecken aber den Tinnitus nicht weg. Ein anderer Arzt verschrieb ihr sündhaft teure Vitaminpräparate und gab ihr beschwichtigende Worte, gepaart mit immenser Ahnungslosigkeit. Er hatte ihre HWS (Halswirbelsäule) abgetastet und tatsächlich festgestellt: "Sie sind da aber verspannt!"
Nach einem Lokalbesuch, bei dem sie vor allem ständig nach links schaute, konnte Frau E. den Tinnitus von einem Ohr auf das andere "bewegen". Je nach dem wie sie den Kopf drehte war er mal rechts, mal links. Ab da trat der Tinnitus auch beidseitig auf. Durch das Drehen des Kopfes in Verbindung mit Tinnitus lag die Vermutung nahe, die Ursache wäre ein Halswirbel-Problem. Bei jedem Drehen des Kopfes änderten sich die Tinnitus-Frequenzen.
Messungen ergaben, ihr Tinnitus hatte eine Stärke von 40 dB, ähnlich einem leisen bis normalen Gespräch zu vergleichen. 40 dB können schon die Konzentration oder den Schlaf beeinträchtigen.
Der Hörsturz meldete sich im Hochtonbereich, bei 4000 Hz und höher. In diesem Frequenz-Bereich konnte sie nichts hören. Das Klangbild war komplett verzerrt und verzerrte sich immer anders je nachdem sie den Kopf bewegte. Sie konnte keine Geräusche mehr zuordnen, verstand nichts. Somit vermutete Frau E. ein Problem in der Halswirbelsäule und ihre Ärzte natürlich auch.
Nach zwei Wochen ging sie dann zum Einrenken. Danach war der Hörsturz weg und auch der Tinnitus wurde leiser. Bald darauf verstärkte er sich wieder und besserte sich nicht. Immer wieder ließ sie sich daraufhin einrenken. Die Hauptprozedur ließ sie 7 Mal über sich ergehen, bis es einigermaßen "gehalten" hatte und den Tinnitus leiser werden ließ. Irgendwann hatte sich der Tinnitus aber eingependelt und auch das Einrenken brachte nichts mehr.
Zwischenzeitlich hatte sie den Tinnitus akzeptiert und sie konnte gut damit leben. Er wurde ihr sogar eine Hilfe, bestimmte Situationen früher zu verlassen oder die Bremse zu ziehen, wenn die, damals geglaubte "Überlastung" und der Ärger zu stark wurden.
Immer wieder fühlte sie diese Ohrverkrampfungen mit Hörverlust. Also immer wieder sogenannte Hörstürze. Sie hörte in dieser Phase schlechter und der Tinnitus wurde laut. Ein solcher Zustand dauerte bis zu 1 Woche, dann wurde es besser. Sollte sie mit diesen ganzen Symptomen sich jetzt für den Rest ihres Lebens herumschlagen?
Endlich Hilfe durch Eigenhilfe
Nein, das konnte ja nicht sein. Dafür und dagegen muss man etwas tun. Frau E. fand zur Daub-Methode und fand es toll selbst etwas tun zu können. Sie tat es und stellte endlich ihre ganze Leidensgeschichte auf Grund ihrer Verspannungen fest. Ihr wurde klar, woher ihr Rundrücken kam, warum ihre Wirbel ständig heraussprangen und warum sie einen Tinnitus bekam. Nach und nach löste sie Ihre Verspannungsmuster selbst. Die einen sind verdammt hartnäckig, andere muss sie gar nicht mehr beachten.
Ihre Wirbel renken sich nicht mehr aus, weil sie jetzt die richtigen Bewegungsabläufe macht und ihre vorherigen Fehler verstanden hat. Die trockenen Augen sind weg, sie kamen ebenso durch Verspannungen.
Ihr Iliosakralgelenk hat sie so gut wie im Griff. Man muss einfach nur den "Dreh heraushaben".
Die heftig drückenden Kopfschmerzen sind nicht mehr aufgetreten. Frau E. hatte "wetterfühlige" Kopfschmerzen mit Lichtempfindlichkeit. Jede vorbeiziehende Wolke zog auch in Form von Schmerzen an ihrem Kopf vorbei. Das ist zwischenzeitlich besser, aber noch nicht ganz weg.
Ihre Schlappheit und Erschöpfung ist weg und am Wochenende ist sie fit und kann endlich ihre Jugend, mit zwischenzeitlich 32 Jahren, so genießen wie sie das möchte. Nach einem anstrengenden Arbeitstag kommt die Schlappheit wieder zurück, aber sie weiß dann genau warum und was sie mal wieder falsch gemacht hat. Das ist kein Problem, sondern ein Zeichen immer weiter zu üben.
Den Tinnitus konnte sie schon häufig auf Null herunterfahren. Doch es gelingt nicht immer. Der ständige Kampf am Arbeitsplatz und der damit verbundene Ärger veranlasst sie immer wieder zu verspannen. Aber das ist überhaupt kein Problem mehr, denn sie kann, wenn sie das will, ihren Tinnitus komplett ruhig stellen. Das Ziel ist für sie, es noch unter Ärger, denn nur das ist der wahre Stress, auch zu schaffen.
Zudem hat sie durch eigene Beobachtung am Arbeitsplatz auch ihre psychische Veränderung bemerkt. Heute ist ist völlig klar, dass verkrampfte Menschen auch extrem stur sind. Obwohl sie soviel erreicht hat und sie zwischenzeitlich viele Verspannungsmuster anderer ansieht und ihr Gejammer anhören muss, sind viele beratungsresistent. Ein typisch menschliches Verhalten. "Ich jammere lieber, anstatt selber etwas zu tun, denn bei mir ist ja Alles ganz anders." Man könnte meinen in der heutigen Zeit sind die Leute froh wegen ihrer selbsterzeugten Probleme zu jammern und zu klagen oder krank zu machen. Das ist kein Einzelfall berichten mir andere Teilnehmer auch.
Sturheit und Verspannungen hängen eng zusammen. Sture Menschen können nur mit sturen Menschen zusammen sein. Sie lassen sich nichts sagen und wissen Alles besser. Diese Erfahrungen zu machen ist keine Seltenheit. Man sieht die Welt aus Sicht eines verspannten und verkrampften Menschen anders. Doch diese Erfahrung kann nur jeder selber machen. Viele reden oftmals leider von etwas, das sie weder verstehen noch kennen. Die Praxis ist das entscheidende und nicht die Einbildung.
Frau Denise E. kann gelassen in die Zukunft sehen und sich auf das konzentrieren was sie im Leben erreichen möchte. Gratulation, toll gemacht! Frau E. ist promovierte Biologin.
Wer solche Symptome wie sie hat, kann sein Leben nicht mehr auf das Wesentliche ausrichten, sondern muss sich nach seinen Symptomen richten. Das belastet das Berufsleben genauso wie das Privatleben und eine Partnerschaft. Frau E. kann stolz auf sich sein und ihr Vater übt auch um seinen fortschreitenden Rundrücken zu verbessern.
Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:23 - vor 163 Tagen.