25 Jahre tägliche Migräne

Man fühlt sich mehr als hilflos, wenn man durch die starke Migräne auch noch arbeitsunfähig geworden ist. Die vielen Ratschläge sind oft wie Schläge. Jeder will sich wichtig machen und Empfehlungen aussprechen was helfen soll. Da wird man ganz kirre und zieht sich noch mehr zurück.

Frau Christel B. hatte eine Email an Frau Daub geschickt und war auf eine Antwort gespannt. Es war ihr letzter Ausweg und man spürte auch die Erwartung. Diese Email hat Frau B. geschrieben (die Veröffentlichung geschah mit ihrer Einwilligung)

"Habe Ihre Internetseiten gelesen, und mir ist, als wären es meine eigenen Geschichten, habe schon seit über 27 Jahre Migräne, Spannungen, jetzt auch Darmprobleme und bin seit über einem Jahr nicht mehr arbeitsfähig. Habe jeden Tag Kopfschmerzen und immense Verspannungen und bin ständig in Behandlung. Aber leider ohne dauerhafte Erfolge. Jetzt bin ich auch noch depressiv, aber was wären Sie, mit so vielen Schmerzen? Habe schon sehr viel hinter mir und nichts hilft. Jetzt hoffe ich, dass Sie mir helfen können. Wir möchten Anfang Mai in Urlaub, und mir gehts nicht gut. Bitte können Sie mir helfen? Danke für Ihre Antwort, auf die ich sehr gespannt bin."

Immer wieder schreiben Menschen, ob ich ihnen helfen kann. Nein, kann ich nicht. Nur Sie selber können sich helfen. Ich zeige Ihnen nur, wie Sie sich selbst helfen können, worauf es ankommt, wie die Zusammenhänge sind. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Ich habe Frau B. angerufen und mit ihr gesprochen, woraufhin Sie zu einem Training kam.

Frau Christel B. ist eine kleine, zierliche Frau und man sieht ihr sofort an, dass es ihr nicht gut ging. Seit Mitte 1980 hat sie Krafttraining betrieben, was man ihr aber überhaupt nicht ansah. 2005 musste sie es aufgeben, da sie danach starke Migräne bekam. In dieser Zeit hatte sie jeden 2. Tag intensive Schmerzen. Ihr Kopf fühlte sich an wie in einem Schraubstock, hinzu kam starker Tinnitus. Desweiteren hatte sie Gedächtnisschwäche, Schwindel, Orientierungslosigkeit, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen und seit einem Jahr starke Gewichtsabnahme, sowie Magen- und Darmprobleme.

Frau B. hatte, wie die meisten, verschiedene Ärzte aufgesucht: Orthopäde, Hausärztin, Neurologe, Rheumatologe, Osteopath, manuelle Therapie, HNO-Arzt, Reha-Klinik. Zuletzt konnte sie nicht mehr arbeiten und wurde auf Zeit berentet. Der Arzt, der dies veranlasste war ein Psychiater der Krankenkasse. "Ausgerechnet in einem Migräneanfall musste ich zu ihm. Er sah mich nur kurz an und sagt zu mir: "Sie sind manisch depressiv!". Ein weiterer Schlag. Dass sie depressiv war, das wusste sie selbst, aber manisch depressiv? Als ich mich mit letzter Kraft verbal dagegen wehren wollte, winkte er ab und machte einen Verweis in meine Krankenakte, dass ich schwierig wäre. Sah es nur schräg von der Seite." Eine Frechheit, wenn man bedenkt, dass man Frau B. eine Migräneattacke ansah. Sie bekam rote Flecken im Gesicht, so als ob sie unter einer Höhensonne gesessen hätte.

Sie hoffte immer, dass ihr jemand sagen könne, wie sie sich selbst helfen kann. Doch diese Hoffnung zerschlug jeder. Es gab anscheinend nichts, womit sie sich selbst helfen konnte. Im Gespräch mit mir hat Frau B. verstanden, dass nur Verspannungen, die sie nicht wirklich bemerkte, an ihren langjährigen Problemen schuld wären. Spontan hat sie sich daraufhin für ein Training entschieden. Endlich wollte sie sich selbst helfen lernen. Diese Hilflosigkeit ablegen und selbst aktiv werden. Sie vertraute mir und hatte es nicht bereut.

Frau B. kam mit Schmerzen zum Training und wirkte sehr angeschlagen, auch psychisch. Sie ist kein Einzelfall und die meisten können sich nicht vorstellen, dass sie all ihre Probleme selbst beheben können und lediglich Verspannungen die Ursache sind. Solche extremen Verspannungen erfordern Zeit und Durchhaltevermögen. Das hatte Frau B. Sie spürte schon ganz am Anfang, dass ihr die Übungen gut taten. So wuchs ihr Vertrauen zu dem Training und zu sich selbst. Das eigene Vertrauen ist auch nicht zu unterschätzen bei solch starken Problemen. Wer kein Vertrauen hat übt nur halbherzig und ohne Motivation. Das bringt nicht viel, denn die Übungen müssen gut und richtig gemacht werden, was anfangs oftmals schwer fällt. Frau B. hatte sehr viel Disziplin und sie hatte alle Übungen sehr gut hinbekommen.

Langsam spürte sie eine Besserung. Sie stellte fest, dass die Migräneschmerzen sofort wieder aufraten, wenn sie wieder in ihre "alten Gewohnheiten" zurückgefallen war. Endlich konnte sie sich selbst helfen. Es wurde immer besser. Sie spürte, dass jeder Ärger sofort eine Migräneattacke auslöste. Stress ist Ärger und nicht viel Arbeit. Sie rief Frau Daub an, die ihr Mut machte und erklärte, dass sie bei Ärger ganz bestimmte Verspannungsmuster auslöste, die sie im Ärger ganz besonders kontrollieren sollte. Das tat sie und es wurde besser. Ihr Tinnitus hat sich erheblich gebessert und ist manches Mal sogar ganz verschwunden. Auch Alles andere hat sich erheblich gebessert. Das schwierige ist nur die sofortigen Verspannungsmuster bei Ärger zu kontrollieren und zu unterlassen.

Die Migräne ist heute fast verschwunden und nur noch da, wenn sie sich wieder mal verspannt durch Ärger. Sie muss sich immer kontrollieren, denn die alten Verspannungsmuster sind hartnäckig und müssen ein Leben lang kontrolliert werden. Ihr Lebensgefühl hat sich erheblich gebessert und sie kann auch wieder einer beruflichen Tätigkeit nachgehen. Herzlichen Glückwunsch an Frau Christel B., die Alles selbst bewältigt hat und das in einer Zeit als es ihr sehr schlecht ging. Das ist nicht einfach. Sie will mir ihrer Geschichte anderen Mut machen und ihnen zeigen, dass es geht, wenn man nur will und durchhält. Eine harte Zeit hat ihr Ende gefunden.

Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:23 - vor 163 Tagen.
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