Wir bemerken dies überhaupt nicht und wundern uns nur über ähnliche Probleme, die unsere Bezugspersonen, meist die Eltern, auch hatten. Nachahmung lautet die Antwort. So eine Nachahmung geschieht langsam und schleichend. Kinder ahmen sehr früh nach und das bis ins Detail. So übernehmen sie die Fehlhaltung ihrer Eltern und die damit zusammenhängenden weiteren oft erst späteren Probleme.
Nicht an Allem sind die Gene verantwortlich. Kinder müssen in ihren jungen Jahren sehr viel lernen. Sie machen es wie die Tierbabies auch und ahmen nach, durch einen angeborenen Spieltrieb und Freude am Lernen. So messen sie sich auch gerne mit und an anderen.
Schlechte Angewohnheiten der Eltern oder Bezugspersonen werden aber so auch komplett imitiert. Kinder haben keine Wertung in dem was sie tun, sie imitieren einfach. Der typische Satz: "Setz dich gerade hin!" klingt zwar auf den ersten Moment gesehen ganz gut, doch was heißt gerade sitzen? Kleine Kinder sind gerade und bewegen sich richtig. Erst durch Nachahmung übernehmen sie die schlechte Haltung der Eltern. So müssten eher die Kinder ihre Eltern ermahnen, gerade zu sitzen und nicht umgekehrt.
Kinder imitieren nicht nur die Haltung, sondern auch die Stimme. Dieselbe Stimme am Telefon
Wen imitiert ein Kind?
Man könnte glauben, dass Kinder das Elternteil nachahmen, zu dem sie sich mehr hingezogen fühlen. Das ist nicht der Fall. Aus der praktischen Erfahrung und Gesprächen mit vielen Teilnehmern ist es ganz anders. Die Person, oder das Elternteil, mit dem sich ein Kind am meisten auseinander setzen muss, wird imitiert. Dies kann positiver aber auch negativer Natur sein. Es sind hauptsächlich die Eltern, können aber auch die Großeltern oder andere Bezugspersonen sein. Zumindest sind es Personen, worin das Kind einen Bezug sieht, und das müssen nicht nur die Eltern sein.
So imitieren Kinder

Ich kann es an einem kleinen Beispiel verdeutlichen: Sie mögen einen Kollegen nicht, fühlen sich von ihm provoziert und genervt. Schon wenn Sie ihn sehn, regen Sie sich über ihn auf. Alles, was dieser Kollege macht und sagt, wird auf die Goldwaage gelegt. Ständig regen Sie sich über ihn auf und langsam liegen Ihre Nerven blank. Sie können diesem Kollegen auch nicht mehr unbefangen entgegentreten und so entwickelt sich zwischen ihnen beiden eine Spannung.
Kollegen, die Sie mögen, auf die achten Sie gar nicht. Sie haben ja kein Problem mit denen. Nur dieser eine Kollege, über den könnten Sie sich stundenlang auslassen und ihn sogar nachäffen, wie er was sagt, wie er geht, etc. Kinder machen es ähnlich mit ihren Eltern, nur nicht so bewusst, wie ein Erwachsener.
Stellen Sie sich jetzt einmal ein Kind vor, das sich nicht wehren kann, noch keine wirkliche Identifikation mit seiner Person entwickelt hat, nicht von richtig und falsch unterscheiden kann und von seinem Umfeld abhängig ist. Dieses Kind wertet auch, aber anders und zwar durch seine Reaktion. Ein Kind passt sich an, es hat keine andere Wahl, es muss damit klar kommen, ob es will oder nicht. Es versucht, so gut es kann "zu gefallen" oder, falls dies nicht mehr geht "zu kämpfen" oder "zu provozieren". Alles auf kindlicher Ebene. Erst viel später hört man dann dieses Kind sagen: "So wie mein Vater will ich nie werden!" Doch genau das ist bereits geschehen. Es haben sich durch Nachahmung dieselben Eigenarten und Unarten eingebrannt, von denen man ausgeht sie nicht zu haben, weil man sie ja ablehnt. Machen andere einen darauf aufmerksam wird es einem erst einmal richtig bewusst.
So gibt es Familien, die miteinander zerstritten sind. Hier sprechen Töchter und Mütter nicht mehr miteinander und dieses Muster zeigt sich in Generationen. In anderer Hinsicht entstehen Herzprobleme, weil sich Generationen cholerisch in Dinge hineinsteigern. Oder man frisst Ärger in sich hinein und knirscht und die Kinder übernehmen es. So wird Druck, Bequemlichkeit und Vieles andere übernommen und lässt über die Jahre die damit zusammenhängenden körperlichen Auswirkungen verspüren. Dabei wäre es so einfach, einmal das Muster zu durchbrechen, welches man nur imitiert hat. Wie ist es bei Ihnen? Welche Dinge haben Sie bei welchem Elternteil imitiert?
Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:22 - vor 162 Tagen.