Durch positive Rückmeldungen von Teilnehmern wollte ich nun die Ursache von Tinnitus herausbekommen. Dass dies aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen würde, mir aber trotzdem gelang, wusste ich damals noch nicht. Mittels Internet und Büchern habe ich mich zunächst etwas schlau gemacht. Doch es brachte mir keine neuen Erkenntnisse.
Stress sollte Tinnitus auslösen, dann wieder Durchblutungsstörungen, dann wieder die Flimmerhärchen im Ohr oder andere behaupteten, dass er vom Gehirn nach einiger Zeit produziert wird und deshalb gar nicht mehr verschwinden würde. Was jetzt?
Die einen wollten mit Meditation oder Biofeedback den Tinnitus mindern. Dann gibt es Denoiser, die einen Gegenton zum eigenen Tinnituston erzeugen usw. Der häufig angebotene Weg war der, ihn einfach zu ignorieren, was häufig empfohlen wurde. Dafür werden auch Seminare angeboten.
Diese ganzen Aussagen zeigten mir aber lediglich, dass eigentlich niemand wusste, woher der Tinnitus wirklich kam und wovon er ausgelöst wurde, sondern dass alles auf reiner Spekulation und einem ewigen Hin und Her beruhte.
Ich wollte es aber genau wissen, denn ich hatte eine Vermutung. Da ich selbst aber keinen Tinnitus hatte, suchte ich betroffene Personen, die bereit waren, sich an einer Testphase zu beteiligen. Die waren schnell gefunden und ich lernte erst einmal die Welt eines Tinnitusgeplagten kennen. Es gab die unterschiedlichsten Töne, Lautstärken und Reaktionen. Was aber allen gemein war, war die Tatsache, dass der Tinnitus nie konstant war. Er veränderte ab und an seine Frequenz oder Lautstärke. Somit sollte jedem logisch denkenden Menschen eigentlich klar sein, dass Tinnitus, wenn man ihn länger hat, nicht vom Gehirn automatisch aus Gewohnheit produziert wird. Sonst würde nämlich ein konstanter Ton produziert und das war bei Tinnitus fast nie der Fall und kommt auch in der Praxis eher selten vor. Ein konstanter Ton bedeutet eine hohe und gleichbleibende Verspannung ist häufiger bei Männern, denn bei Frauen anzutreffen.Â
Die Übungen waren sehr laut und schwierig
Gesagt getan meine Überlegung war die, dass spezielle Verspannungen diese Töne in Ohr und Kopf auslösten und man nur eine eigene Art "Gegen-Frequenz" erzeugen musste, die bis ins Ohr resonierte. So dachte ich damals, worüber ich heute nur lächeln kann.
Mit allen ca. 40 Teilnehmern machte ich ganz spezielle und sehr schwierige Lautübungen. Allein die Übungen waren schon eine Zumutung, denn jeder einzelne Teilnehmer musste eine ganz spezielle Lautstärke-Frequenz erzeugen die sogar bis in die Lampen des Trainingsraumes resonierten und diese zum Kurzzeitigen Schwingen brachten. Das war sehr laut und auch sehr schwer zu Hause zu üben. Wer zur Miete oder in einem Mehrfamilienhaus wohnte, hatte es hier schwer. Teilnehmer, die diese extremen Lautübungen nicht hinbekamen, spürten überhaupt keine Wirkung auf den Tinnitus.
Jemand der selbst einen dieser ganz speziellen Resonanztöne erzeugen konnte, spürte keine negative Auswirkung auf seinen Tinnitus. Die anderen, die diesen Ton ertragen mussten schon. Sie hielten sich deshalb schon von vorne herein die Ohren zu. Wurden die Übungen richtig ausgeführt resonierte der Ton im Kopf des Ausführenden und löste eine kurze Verbesserung des Tinnitus aus. Das bedeutete er wurde dadurch leiser. Heute weiß ich warum, damals dachte ich falsch.
Es stellten sich zwar dauerhafte Reaktionen ein, aber viel zu wenige. Eine Frau, die über 30 Jahre Tinnitus hatte, bemerkte schon nach der zweiten Trainingseinheit, dass ihr Tinnitus komplett verschwunden war. Das war zwar schön für sie, aber ich wußte dennoch nicht warum. Es war einfach nur erstaunlich, denn sie hatte gar nicht viel geübt.
Auch bei anderen Teilnehmern verschwand er fast oder reduzierte sich erheblich oder kam und ging wieder. Andere stellten fest, dass ihr Ton mal für einen ganzen Tag weg war. Diese ganzen Ergebnisse lösten bei mir aber keine große Euphorie aus. Ich wusste nach wie vor nicht, was der Auslöser von Tinnitus war und genau das wollte ich aber herausfinden. Warum funktionierte es beim einen und bei dem anderen überhaupt nicht? Was war der Grund?
Es war dasselbe, was ich schon bei Entspannung und Biofeedback gelesen hatte. Die einen hatten eine Besserung, die anderen keine. Doch das konnte es nicht sein. Ich wollte einen Unterschied finden, den es meiner Meinung nach geben musste. Es musste einen Unterschied geben zwischen jemandem, der Tinnitus hatte und jemandem der keinen hatte.
Es sollte noch ein ganzes Jahr dauern, bis ich endlich dahinter kam, was wirklich den Tinnitus auslöst.
Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:22 - vor 160 Tagen.