Seit Jahren hatte ich immer wieder Schmerzen im und hinter den Augen. Wie lange kann ich nicht genau sagen, aber so ca. 7-10 Jahre. Die ersten Anzeichen meldeten sich so um das 30igste Lebensjahr. An einen Vorfall kann ich mich noch genau erinnern. Um die Augenpartie herum hatte ich Kopfschmerzen, die aber zum Aushalten waren. In dieser Phase räumte ich gerade meine Wohnung um und war am Überlegen den schweren und großen Fernseher zu verstellen. Ohne Helfer überlegte ich mir eine Technik, damit ich in überhaupt von seinem Platz wegbekam. Ich hob ihn auf einen Stuhl und schon war das Verstellen einfach. Doch was war geschehen? Meine Kopfschmerzen waren verschwunden - ganz plötzlich! Das Heben des Fernsehgerätes löste die Kopfschmerzen. "Toll", dachte ich. Das wollte ich nun immer ausprobieren. Das tat ich auch und siehe das, es wirkte. Kaum hatte ich Kopfschmerzen, drückte ich meine Handflächen gegeneinander und die Kopfschmerzen waren weg oder ließen nach. Ein Trick, der irgendwann nicht mehr funktionierte. Irgendwann konnte ich Alles mögliche ausprobieren und irgendeine Kraftanstrengung zeigte keine positive Auswirkung auf meinen Kopfschmerzen mehr, sondern bewirkten eher das Gegenteil. Schade!
Die ganzen Kopfschmerzen mündeten immer mehr in eine ausgewachsene Migräne. Über der linken Augenbraue fühlte ich einen Schmerz, eine Verkrampfung oder wie immer man es benennen möchte. Anfangs dachte ich, es käme vom konzentrierten Arbeiten am PC. Die meisten denken das. Die Augen ermüden, brennen oder röten sich teilweise und dann begann es an der linken Augenbraue. Fast jedes Mal, bei konzentrierterem Arbeiten oder Grafikbearbeitung, traten die Schmerzen über der Braue auf. Was war naheliegender als den Computer dafür verantwortlich zu machen. Heute weiß ich es besser und lache darüber. Selbst 16 bis 18 Std. Computerarbeit zeigen bei mir heutzutage keine Ermüdungserscheinungen mehr. Doch bis dahin war noch ein weiter Weg.
Irgendetwas krampfte an der linken Augenbraue und zog sich langsam kriechend ins linke Auge hinein. Der Schmerz saß nicht im Auge, sondern hinter dem Auge selbst. Er verstärkte sich bis ins Hirn. Ich hatte das Gefühl, als ob sich Etwas in meinem Hirn zusammenziehen würde. Es fühlte sich wie das Hirn selbst an, es ist schwer zu beschreiben. Es kamen stechende Schmerzen hinzu.
Bei jedem Schritt, beim Bücken stach es hinterm Auge bis ins Hirn. Ständig drückte ich mit einer Hand an die Stirn, damit es beim Gehen erträglicher war. Ein Niesen oder Husten verstärkte die Schmerzen ebenfalls. Dazu kam, dass das linke Auge immer öfters tränte, manches Mal den gesamten Tag hindurch und häufig gerötet war. Schon morgens tränte das linke Auge. Mein Blick wirkte müde und abgespannt. Tränende Augen vermutet man wohl eher bei älteren Menschen, ich war gerade mal 45 Jahre alt.
Meine linke Seite war die Schlimmere von beiden und der Migräneschmerz begann immer auf der linken Seite und wanderte erst dann zur rechten.
Die übliche Betäubung - Schmerztabletten
Das Unangenehme waren die Schmerzen im Hirn, falls es sich überhaupt beschreiben oder erklären lässt. Jeder Schritt tat weh, jedes Bücken. Allein schon die Anfangsschmerzen in der Augenbraue lösten zudem ein Übelkeitsgefühl in mir aus. Ich fühlte auch regelrecht, wie es mir kälter wurde und mein Kreislauf immer mehr in die Knie ging. Ich hatte schon seit jeher einen sehr niedrigen Blutdruck, der teilweise im oberen Bereich unter 100 liegt. Er bereitete mir aber nie Schwierigkeiten wie Müdigkeit, es war eben so. In diesem Zustand rutschte er noch weiter nach unten, das wusste ich im Laufe der Zeit, nachdem ich ihn oftmals gemessen hatte. Hinzu kam ein sofortiges Kältegefühl und ein grippeähnliches Empfinden.
Tabletten brachten fast keine Linderung, zumal ich auch kein Freund von starken Tabletten war. Es störte mich sehr solche Beschwerden zu haben. Doch was sollte ich tun, außer sie zu erdulden? In den Anfängen der Schmerzphase nahm ich keine Schmerztablette, weil ich immer hoffte, dass es diesmal besser werden würde. War die Migräne da, halfen keine Tabletten mehr. Wenigstens nicht die, die ich einnahm. Das waren Paracetamol, die keine schweren Hämmertabletten waren, aber stärkere wollte ich einfach nicht einnehmen. Manchmal, wenn es nicht mehr zum Aushalten war, nahm ich eine oder auch mehrere dieser Tabletten. Nach 3 oder 4 Tabletten kam eine leichte Linderung, doch es war recht wenig. Aushalten hieß dann die Devise!
War es mir möglich, so legte ich mich hin. Meine Augen tränten und selbst das Sehen schmerzte irgendwie. Nicht vom Sehen selbst, sondern ich fühlte meine Augen total überanstrengt und konnte sie manchmal gar nicht aufhalten. Helles Licht war hier Fehl am Platz. "So ist das eben bei Migräne", dachte ich.
Die Migräne trat immer häufiger auf. Ich fühlte mich fertig und schlapp und absolut lustlos. Es lag wie eine schwere Last in meinem Kopf und auch körperlich war ich fertig und fühlte mich völlig erschöpft. Manchmal hatte ich nicht mal Kraft zum Sprechen, weil mir alles zu viel war. Auch das Sprechen viel mir schwer und zeigte manches Mal richtige Ausfälle. Mir fielen die einfachsten Worte nicht ein und das Sprechen strengte mich regelrecht an. Es war so als ob ich eine körperliche Anstrengung aufbringen müsste um sprechen zu können. In einem solchen Zustand wollte ich nur meine Ruhe.
In einem solchen Zustand war ein Einschlafen, trotz großer Erschöpfung, fast unmöglich. Ich bin ein Mensch, der sich bei Schmerzen ablenken muss. Manche wollen Ruhe, ich brauche Ablenkung. So schaltete ich meinen Fernseher am Bett an und hörte nur zu. Hinschauen konnte ich nicht, es genügte nur das Zuhören. So lenkte ich mich etwas ab und ich konnte mich von meinen Schmerzen wegkonzentrieren. Das Schönste war dann, wenn ich einschlief. Danach fühlte ich mich besser, ausgeruhter, leichter.
Jemand, der das noch nie hatte, kann es sich nicht vorstellen. Es ist nicht beschreibbar, nur erlebbar und das gönne ich niemandem. Meistens dauerte dieser Zustand 3 bis 5 Tage. Teilweise verbrachte ich mehr Zeit im Liegen, denn im Sitzen. Manchmal war die Migräne stärker und mal nicht so stark. Voraussehen konnte ich sie aber nicht. Manchmal trat sie sogar plötzlich auf, ohne Ankündigung und ohne, dass ich lange am PC gesessen hatte. Immer öfter meldete sich die Migräne.
Ständiger Druck im Kopf, wie ein Nebel oder Schleier, Benommenheit
War die Migräne vorbei hatte ich dennoch einen immer währenden Druck im Kopf. Auf die Augen legte sich dieser Druck wie ein Schleier oder Nebel und breitete sich im ganzen Kopf aus. Dieser Zustand ist für Nichtbetroffene schwer zu erklären. Es fühlte sich an, als ob jemand in meinem Kopf saß und mein Hirn zusammendrückte. Stützte ich meinen Kopf auf die Hände, war es etwas besser und brachte eine leichte Linderung. Ständig mit diesem Nebel und Druck im Kopf zu leben, war eine Qual. Im Laufe der Zeit gewöhnt man sich daran und kennt es nicht mehr anders. Leichte Verbesserungen empfand ich als Befreiung. Heute kenne ich den Unterschied, damals musste ich damit leben. Der Zustand von heute und jetzt ist aber unvergleichlich. War dieses Gefühl einmal für kurze Zeit verschwunden hatte man das Gefühl von Freiheit. Ich hatte so viel Energie und fühlte mich als ob ich Bäume ausreißen konnte. In solchen Fällen durfte ich diesem Drang nicht nachgeben und besonders viel arbeiten, denn hinterher kam der Denkzettel. Ein oder zwei Tage später war die Migräne wieder da und ich war wieder fertig. Ein Teufelskreis ohne Ausweg. Man lernt sich dabei nicht besser kennen, sondern lernt lediglich mit der Situation umzugehen, weil einem nichts anderes übrig bleibt.
Es schmerzten Haare und Kopfhaut
Migräne, Druck & Nebel im Kopf
Es gibt körperliche Zustände, die sich schwer beschreiben lassen. Oben genannte gehören dazu. Wer sie hat oder hatte weiß sofort was gemeint ist. Wer sie nicht kennt, kann es weder verstehen noch nachempfinden.
Sie haben es vielleicht auch schon einmal gesehen, ein merkwürdiges metallenes Gebilde, das einem Schneebesen ähnelt. Es soll die Kopfhaut massieren. Das ist wohl eher belustigend und dient mehr der Einbildung als der Hilfe. Immer wenn ich ein solches Teil sehe erinnere ich mich an meine Schmerzen.
Irgendwann bemerkte ich es beim Haare kämmen. "Was war denn das?", wunderte ich mich. Mit den Fingern fuhr ich die Haare an der Kopfhaut entlang und es fühlte sich wie ein Wundschmerz oder ein frischer blauer Fleck an. Hatte ich mich gestoßen, ohne es zu wissen? Es war aber nicht nur eine Stelle, nein die gesamte Kopfhaut war betroffen. Waren das die Haare? Vielleicht lag es daran, dass ich sie nur in eine Richtung kämmte. So versuchte ich die Gegenrichtung. Da tat es noch mehr weh. Es half nichts, jede Bewegung mit den Haaren tat weh. Ich massierte die Kopfhaut und es tat genauso weh. So etwas hatte ich noch nie zuvor gehabt. Besonders oben auf dem Kopf und am Hinterkopf waren die Schmerzen besonders groß.
Mein ganzer Kopf schmerzte und auch Massieren half nichts. Manchmal täuschte mich meine Einbildung und ich glaubte, dass das Massieren etwas brachte. Nicht wirklich! Was sollte man schon tun, wenn man die Ursache nicht kannte. An irgendetwas glauben, dass es helfen würde? Die meisten tun dies und bei kleinsten Verbesserungen hoffen sie. Heute sehe ich vieles anders. Das Ziel ist, die Migräne, den Druck im Kopf, den Nebel, die Kopfhautschmerzen komplett zum Erliegen zu bringen und zwar dauerhaft.
Nach ein paar Tagen war dieser Schmerz wieder besser und teilweise sogar ganz verschwunden. Mal kam er wieder, dann war er wieder weg. Ich wusste nicht warum und gab es auf darüber nachzudenken oder herumzuexperimentieren. Es half nichts, ich hatte das eben und musste damit leben.
Sind das die Wechseljahre?
Es kam immer häufiger vor, dass sich die Migräne ankündigte, wenn ich meine Periode hatte. So dachte ich natürlich, dass Migräne und Hormone etwas damit zu tun haben. Man liest dies ja auch bei den Wechseljahren. War ich in den Wechseljahren? Wie fühlen sich Wechseljahre an? Mein Kreislauf ging ständig in den Keller, wenn ich meine Tage hatte und mir war übel und schwindelig und ich bekam Unterleibsschmerzen. Alles passte doch prima zusammen. So melden sich eben die Hormone und sicher gehörte ich zu den vielen Millionen anderer Frauen, denen es nicht anders erging. In abgewandelter Form und vielleicht ein wenig anders, aber vom Grund her genau dasselbe. Na ja, geteiltes Leid ist halbes Leid, meint man, aber dem ist nicht so. Es nützt nichts, wenn es anderen auch so ergeht, es ist nur das Wissen darum. In Wirklichkeit hat man so genug von diesem Zustand und man wäre ihn gerne los. Meine Menstruationsbeschwerden sollten sich aber noch heftiger zeigen.
Der Partner fühlt sich genervt
Die meisten Migränegeplagten kennen das. Man redet eigentlich nicht über seinen Zustand, nur wenn es nicht anders geht. Man kann ihn eh nicht ändern. Es wird dann schwierig, wenn man einen Partner hat, der solche Dinge nicht kennt. Die Blicke lassen vermuten, dass man als Simulant hingestellt wird. "Jetzt hat die schon wieder Migräne" oder "Jetzt fühlt sie sich schon wieder nicht wohl", das sind die Blicke denen man ausgesetzt ist und diese Sätze vermutet man dahinter.
Fragt man nach, dann ist es natürlich gar nicht so. Es ist ja verständlich, dass der Partner genervt ist, aber was soll man machen? Sich noch mehr zusammenreißen? Wie soll das gehen? Soll man sich selbst noch mehr Quälen nur um dem Partner das Gefühl zu geben, dass es heute nicht so schlimm ist oder insgesamt nicht so schlimm. Es geht alles bis zu einem gewissen Grad und dann ist Schluss.
Heute kenne ich viele Unterschiede und weiß, dass ich nicht wehleidig war, sondern es so gut es ging ausgehalten habe. Mehr geht eben nicht. Entweder hat ein Partner Verständnis oder eben nicht. Ich musste die Schmerzen ertragen, nicht er und genau das tat ich, so gut ich es eben konnte. Basta!
Man macht sich selbst etwas vor
Nur nichts anmerken lassen... Im Laufe der Zeit baute man vor. Man wusste genau, dass man längerfristige Termine fast nicht ausmachen konnte. So bildete man sich ein, dass man ein spontaner Typ wäre, der Termine nicht gerne langfristig plant. Heute weiß ich genau, dass ich mir etwas vorgemacht habe. Man hat Angst einen festen Termin in weiterer Zukunft auszumachen, weil man ja nie im Voraus wusste, wie man sich fühlt. Das war der wahre Grund.
Woher sollte ich wissen wie ich mich fühlte. Ich konnte das ja nicht einmal von einem Tag auf den anderen sagen. Es konnte sein, dass ich an einem Tag einigermaßen gut drauf war und am nächsten Tag war ich fertig und kaputt. Wie sollte man so seine Termine plane und auch einhalten. Man biegt sich seine eigenen Wahrheiten zurecht und zimmert sich eine Eigenschaft zusammen, die ins eigene Beschwerdebild passt.
Auch vor anderen will man nicht als launisch dastehen. Man kennt es ja von überall her "Frauen und ihre Migräne!". Das ist so ein typischer Satz und er birgt genügend Vorurteile. So etwas kann man natürlich vermeiden, indem man das gut arrangiert. Das ist heute Gott sei Dank vorbei und darüber bin ich hocherfreut.
War die Migräne wieder verschwunden dann fühlte ich mich so befreit und leicht wie eine Feder. Endlich war der Druck und der Schleier von meinem Kopf und aus meinem Hirn gewichen. Das war ein Gefühl als ob man neugeboren würde. Einfach herrlich, doch es war lediglich der Zustand von der Migräne zum Zustand ohne Migräne. ein richtiges "Wohl-Fühl-Gefühl" oder "Gut-Geh-Gefühl" das habe ich erst jetzt.
Erst jetzt kenne ich den Unterschied und weiß wie es sich anfühlt. Vorher war zwar die Migräne ab und zu weg, aber ein Gefühl sich doch nicht so hundertprozentig gut zu fühlen blieb. Es hat nichts mit meinem jetzigen Zustand zu tun, absolut nichts. Heute bin ich befreit, damals war ich wie gefangen.
Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:22 - vor 160 Tagen.