Mein starkes Hohlkreuz & Hexenschuss

Seit ich denken kann hatte ich ein starkes Hohlkreuz. In jungen Jahren stört es nicht. Doch irgendwann stellt man Veränderungen und weitere Schonhaltungen fest. Mit einem Hohlkreuz fällt es schwer auf dem Rücken zu liegen und dabei die Beine auszustrecken. Es ist unangenehm und man winkelt gerne die Beine an. Das ist viel angenehmer.

Beim Stehen ist es ähnlich, denn ein längeres Stehen ist sehr unangenehm. Besonders bei Veranstaltungen, die ein ausdauerndes Stehen erfordern oder beim langen Stehen an der Kasse spürt man ein unangenehmes Ziehen im Rücken. Unwillkürlich steht man von einem Fuß auf den anderen oder sucht eine Möglichkeit die Bein hoch zu stellen. Um dem entgehen zu wirken meidet man Veranstaltungen, die ein langes Stehen erfordern. Beim Stehen an einer Kasse stellt man seinen Fuß auf den Einkaufswagen. So wird es angenehm und man spürt das Unangenehme nicht mehr.

Eine Lösung ist es allerdings nicht. Denn die Frage, warum der eine lange gerade stehen kann und der andere nicht, dies Frage habe ich mir natürlich nie gestellt. Und eines Tages fing es an, erst harmlos und dann immer penetranter.

Ich war mit meinem Partner im Urlaub an der Nordsee. Wir liefen barfuß im Sand und die Anstrengung ist durch das Einsinken erhöht. Man muss dagegen angehen. Wir waren schon länger unterwegs und wollten so schnell als möglich in unsere Ferienwohnung. Ich lief so schnell ich konnte und bemerkte zunächst nichts. Mein Partner fragte mich, warum ich so komisch gehen würde und so stark nach vorne hing. Ich tat es ab und meinte, dass ich eben in den Sand einsank und es daher kam. In der Wohnung angekommen war ich froh endlich auf dem Sofa sitzen zu können. Doch nach einiger Zeit wollte ich aufstehen und kam nicht mehr hoch. Meine Kraft im Rücken war nicht mehr da, sie war wie abgeschnitten. Man bezeichnet dies auch als Hexenschuss. Schmerzen hatte ich nur, wenn ich versuchte mich aufzurichten oder nach vorne zu beugen. Mein Partner war ratlos und konnte nicht wirklich damit umgehen. Ich schaffte es einfach nicht meinen Oberkörper gerade nach oben zu strecken. Es ging nicht, so als ob ich keine Muskeln hätte. Dieser Zustand hielt einige Tage an und verschwand dann wieder. Ich war froh und hoffte, dass das nicht wieder kommt.

Doch ich irrte mich. Dieser Zustand kam wieder, immer mal wieder. Es gab keinen besonderen Grund, wann dieser Zustand auftrat, er war plötzlich da. Weder körperliche Tätigkeit, noch langes Sitzen oder Stehen lösten ihn aus - er war einfach da und ich wartete ab, bis Alles wieder verschwunden war.

Schmerzen wie ein Stromschlag bis hin zur Bewegungslosigkeit

Doch dann eines war Alles anders. Ich wachte eines morgens auf, wollte mich umdrehen und stellt fest, dass es nicht ging. Eine Bewegung war unmöglich, es schoss wie ein Stromschlag durch meinen Körper. Diesen Schmerz kann man schwer beschreiben, man kann ihn nur erleben. Wer ihn kennt, weiß wovon ich schreibe. Ich konnte keinen Arm und kein Bein bewegen. Kleinste Versuchen mich zu drehen verursachten höllische Schmerzen. Panik kroch in mir hoch. Wie sollte ich aufstehen? Plötzlich erschienen die kleinsten Wege wie unerreichbare Kilometer. Ich wollte mich drehen und musste mich drehen, denn ich wollte aufstehen. Der Schmerz war nicht nur ein Schmerz den man ertragen musste, nein, er führte dazu, dass die Kraft sofort verschwunden war. Den Arm nur ein paar Millimeter zu heben verursachte solche Schmerzen, die durch den Rücken schossen und mir jegliche Kraft nahmen ihn überhaupt zu heben. So ähnlich muss man es sich vorstellen. Ich musste deshalb einen Weg finden mich so zu bewegen, dass dieser unerträgliche und fast lähmende Schmerz gar nicht so heftig auftrat. Ich versuchte mich durch den Schmerz durchzuwühlen und fand ganz langsam einen Weg mich im Schneckentempo zu drehen. Wie lange ich dazu brauchte weiß ich nicht, doch es war sicherlich 30 Min. Zwischenzeitlich kam mein Partner ins Schlafzimmer und sah mich in diesem erbärmlichen Zustand. Er wollte mir hochhelfen, doch das ging gar nicht. Nur das Anfassen am Arm war unerträglich, denn der Schmerz schoss sofort durch den ganzen Körper. Ich war völlig fertig, so als ob ich die schwerste körperliche Arbeit verrichtet hätte. Niemand konnte mir in dieser Situation helfen, niemand. Jedes Anfassen eines anderen und wenn es noch so vorsichtig war, schoss sofort durch den ganzen Körper. Diese Hilflosigkeit ist unbeschreibbar. Da steht jemand neben Dir, der Dir gerne helfen möchte, aber es geht nicht, weil Du Dich keinen Millimeter bewegen kannst.

Ich musste es irgendwie schaffen, irgendwie. Die Verzweiflung stand mir im Gesicht geschrieben, ich war den Tränen nahe und ganz, ganz langsam in unendlichen Sekunden und Minuten schaffte ich es tatsächlich mich aus dem Bett zu quälen. Überall musste ich mich festhalten, Alles war mir recht, nur kein Mensch durfte es sein. Die Hilfe musste starr sein. So konnte ich den Nachttisch als Stütze benutzen, den Fenstersims und den Kleiderschrank. Es ging, aber in höchster Zeitlupe. Meinen Oberkörper hing nach vorne, ich konnte ihn auch jetzt nicht nach oben bringen. Daher wusste ich, dass es wohl die stärkere Form wie sonst war. Es ist wahrlich schwer zu erklären und ich weiß heute, dass er sich bei jedem etwas anders äußert.

Schmerzen zeigen uns, dass etwas nicht stimmt

Ohne meine eigene Leidensgeschichte hätte ich die Daub-Methode niemals entwickeln können. Ich litt unter vielen Problemen unter denen andere auch leiden und habe sie ganz alleine ohne fremde Hilfe in den Griff bekommen. Dabei habe ich mehr erfahren und gelernt als man jemals aus Büchern oder Theorien lernen kann.

Ganz langsam musste ich gehen und zwar so, dass der Schmerz nicht auftrat. War er da, dann war er so heftig und schoss so gewaltig durch den Rücken und ausstrahlend in die anderen Körperbereiche, dass man das Gefühl der Kraftlosigkeit hatte. So als ob man zusammensacken müsste und keine Muskeln mehr hätte. Die ganze Zeit musste ich mich abstützen und festhalten. Schwierig wurde es auf die Toilette zu gehen, doch was blieb mir andere übrig. Bis ich mich hinsetzen konnte verging eine Ewigkeit. Das Abwischen mit Toilettenpapier schaffte ich nur mit irgendeiner Schonhaltung. Stunden vergingen und nur langsam wurde es besser. Ich konnte nur auf einem harten Stuhl sitzen und musste mich dort irgendwo festhalten. In diesem Zustand konnte ich keinen Arzt aufsuchen und ich hielt auch nichts davon. So warte ich ab und ganz langsam wurde es etwas besser.

Wer so etwas noch nie erlebt hat, der weiß überhaupt nicht wie Muskeln reagieren und wie Alles im Körper zusammenhängt. Erst durch diese vielen Erlebnisse und diese unerträglichen Schmerzen konnte ich das Training wie es heute ist entwickeln. Nach unzähligen Stunden Wartens konnte ich mich langsam wieder bewegen, doch meinen Oberkörper brachte ich nach wie vor nicht nach oben. Es dauerte einige Tage bis es wieder einigermaßen ging und es dauerte über eine Woche bis ich wieder gerade gehen konnte.

Diese Erfahrung hatte sich stark in mein Gedächtnis eingeprägt und vor allen Dingen die Angst. Woher kam es und kommt es wieder? Die Angst davor ist diese Ungewissheit. Was, wenn es schlimmer wird? Muss ich operiert werden? Ist es ein Bandscheibenvorfall? Trotz aller Fragen und Ängste ging ich nicht zu einem Arzt. Irgendwie hielt ich nichts davon, warum kann ich nicht sagen. Vielleicht hatte ich Angst vor den ganzen Untersuchungen, die ich über mich ergehen lassen musste und die darauf folgende Diagnose. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Es kam noch schlimmer

Zwischenzeitlich hatte ich diesen oben beschriebenen Schmerz-Zustand noch mehrmals so erlebt in fast derselben Form. Doch eines Tages kam es noch schlimmer. Die Schmerzen und die Bewegungsunfähigkeit sind immer dieselben, darin gibt es keine Steigerung. Es war der Zustand als es vermeintlich besser wurde. Auf meiner rechten Seiten im unteren Rückenbereich hatte sich eine runde, ca. 5 cm große kreisrunde Schmerzfläche entwickelt. Ich konnte ihn mit den Fingern berühren und es war so als ob ich hier eine offene wunde hätte, auf die ich mit den Fingern draufdrückte. Jetzt war eine Art Bewegungsschmerz hinzugekommen in Verbindung mit diesem Wundschmerz. Doch in dieser Phase konnte es nach wie vor noch vorkommen, dass es mir heftig durch den Rücken schoss. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Mein Vater war Heilpraktiker, praktizierte aber nicht. Er hat mir mehrere Spritzen verabreicht, die das Gewebe um meinen Schmerzkreis entspannen sollten, doch es wirkte nur kurz. Nach ca. 20 Minuten war der alte Zustand wieder erreicht. Es dauerte fast 2 Wochen, bis ich wieder einigermaßen normal und gerade gehen und stehen konnte. Die Schmerzstelle fühlte ich noch lange danach und so war ich erst nach fast 2 Monaten halbwegs schmerzfrei.

Wie sollte das weitergehen und wie enden? Sport machen, wie immer gesagt wird? Wozu? Dieser Zustand ist unberechenbar, er kann in Bewegung und in Ruhe auftreten, denn egal was ich vorher gemacht oder nicht gemacht hatte, ich fand kein Muster, es gab einfach keines. Was sollte Sport oder Bewegung dann bringen? Davor hatte ich viel zu viel Respekt als dass ich hier irgendein Risiko eingehen wollte. Zum Arzt gehen? Nein, das wollte ich nicht und dabei blieb es auch.

Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:22 - vor 160 Tagen.
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