Angst- & Panik oder Hörsturz?

Im Alter von ca. 34 Jahren hatte ich ein Erlebnis, bei dem ich dachte, mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Heute ist mir das Ganze klar, damals hatte ich Angst und Panik und wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Auch hatte ich Angst damit mit einem Arzt darüber zu sprechen. Also ich mich dazu aufraffte kamen dubiose Erklärungen.

Ich fuhr immer mal wieder mit dem Fahrrad. Nicht übertrieben aber ungefähr jede Woche ein paarmal über Jahre hinweg. Eines Tages, es war Sommer, war ich mit meiner Freundin unterwegs in einen angrenzenden Park. Die Fahrt war nicht anstrengend und dauerte nur ca. 20 Min. Das letzte Stück war eine kleine Steigung, nichts Schlimmes. Plötzlich fühlte ich an meinen Ohren entlang bis in den Kopf hinein eine Art Druck. Langsam kroch er von den Schultern den Ohren und über die Schläfen in den Kopf hinein. Der Druck im Kopf stieg an und es flimmerte vor den Augen. Ich bekam fast keine Luft mehr und hatte das Gefühl mein Herz würde stehen bleiben. Des Sprechens unfähig stieg ich gerade noch vom Fahrrad ab und rang nach Luft. Meine Freundin hatte es bemerkt und kam voller Angst zu mir.

Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, rang nach Luft und hatte das Gefühl mein Herz krampfte sich zusammen, mein Kopf dröhnte und ich hatte Sehstörungen. Ein schwer erklärbarer Zustand, in Worten fast unmöglich. Meine Freundin stützte mich und half mir, mich ins Gras zu setzen. Nur mit Mühe konnte ich ihr folgen. Meine Knie zitterten und mein ganzer Körper war schwer und innerhalb Sekunden erschöpft. Ich fühlte mich als ob ich einen Marathonlauf absolviert hätte. Körperlich war ich vollkommen erschöpft, konnte nicht mehr aufstehen und sagte ihr, dass ich nicht mehr allein nach Hause fahren könnte. Doch sie beruhigte mich und empfahl mir, mich erst einmal auszuruhen.

Langsam ging es mir besser. Die Kräfte kamen zurück und ich konnte wieder sprechen und normal sehen. Was war das nur gewesen? Ein Schwächeanfall, eine Herzattacke irgend etwas im Kopf? Angst machte sich breit, denn in diesem Zustand dachte ich wirklich mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Im Gras zu sitzen tat mir gut und nach ca. einer halben Stunde ging es mir wieder gut. Sollte ich es wagen, mich aufs Fahrrad zu schwingen? Ich tat es und nichts passierte, doch die Angst blieb.

Ein anderes Mal war ich alleine mit dem Fahrrad unterwegs. Ich war nur ein paar hundert Meter von meiner Wohnung entfernt als es wieder los ging. Wieder fuhr ich eine leichte Steigung hoch und es passierte wieder. Irgendetwas kroch über meine Ohren in meinen Kopf. Dieses Mal hatte ich noch stärkere Sehstörungen. Da ich den Zustand bereits erlebt hatte stieg ich rechtzeitig vom Fahrrad ab. Passanten, die vorbei kamen sahen mir meinen Zustand an, denn ich war kreidebleich geworden. Von einer Sekunde auf die andere. "Brauchen Sie Hilfe?", hörte ich sie sagen. "Nein danke," stammelte ich," es wird gleich vorüber sein." Wieder spürte ich diese Müdigkeit und Erschöpfung und wieder diese körperliche Schwäche. Ich wartete ab, setzte mich auf den Gehweg und bald darauf ging es mir besser. Dann fuhr ich sofort heim.

Jetzt kam Angst auf

Dieses Mal war ich gerade 5 Minuten mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und schon ging es wieder los. Ich hatte Angst und wollte nicht mehr mit dem Fahrrad fahren. Viele Jahre danach habe ich es nicht mehr benutzt. Doch diese Erlebnisse ließen mich nicht in Ruhe. War es das Herz, eine Überanstrengung. Ich versuchte es beim Schwimmen oder besser beim Tauchen im SChwimmbad. Hier hält man die Luft an und entzieht so dem Körper Sauerstoff, eine Anstrengung. Etwas, das ich sehr gerne mache. Es geschah nichts, egal, wie sehr ich mich anstrengte und wie sehr mein Herz klopfte. Es musste mit dem Fahrradfahren zusammenhängen und nicht mit der Anstrengung.

Ich ging zu meinem Hausarzt, vielleicht konnte er mir sagen was das war. Er meinte, dass sich am Körper Druckstellen befinden, die aktiviert, einen Körper in die Knie zwingen können. Damals beruhigte mich das und ich entschloss kein Fahrrad mehr zu fahren.

Heute, mit meinem jetzigen Wissen kann ich über diese Aussage nur lachen. Eine sinnlose, zusammengereimte Behauptung. Meine angstvollen Symptome waren die Signale meines Körpers, die auf die körperlichen Veränderungen hinwiesen. Solche Symptome äußern sich in mannigfaltiger Weise und treten teilweise einzeln oder in geballter Form auf. Auch die Auswirkungen sind unterschiedlich. Wer sie allerdings kennt, verliert die Angst und weiß sofort, wie er darauf reagieren kann. Auslöser war nicht das Fahrradfahren selbst, sondern das Anspannen des Schulterbereichs während des Fahrradfahrens. So entstanden extreme Nackenverspannungen, die kurzfristig mein Hirn unterversorgten und zu den Symptomen führten. Jeder mit solchen Verspannungen erlebt ähnliche Symptome oder auch andere. Es liegt am Grad der Anspannung und welche Muskeln man anspannt. Jeder macht das anders.

Damals hatte ich Angst und sprach mit niemandem darüber. Heute kann ich darüber sprechen, weil ich die Ursache kenne und das nie wieder auftreten wird.

Letzte Aktualisierung: 11.12.2011 - 12:22 - vor 160 Tagen.
Texte & Grafiken dürfen ohne unsere Zustimmung nicht verwendet oder veröffentlicht werden - Seite geladen in 0.029263 Sekunden